Die Hecke neu denken – naturnah, artenreich und trotzdem schön
Eine Thuja-Hecke schützt vor Blicken – aber nicht vor dem Verdrängen. Sie verdrängt Licht, Wasser, Platz und Leben. Was, wenn die Grenze Ihres Gartens selbst zum Lebensraum wird?
Naturhecken – lebendige Grenzen im Garten
Beim Vortrag am 09.06.2026 lud der Gartenbauverein Unterhaching zwei erfahrene Praktiker ein, um eine Frage zu beantworten, die viele Mitglieder bewegt: Lässt sich ein Garten, der seit Jahren von Thuja oder Kirschlorbeer eingefasst wird, in einen naturnahen Garten mit heimischen Sträuchern, Wildpflanzen und kleinen Bäumen verwandeln – und wenn ja, wie?
Warum überhaupt umdenken?
Die Antwort der Referenten war eindeutig: weil es nötig ist. Viele Gärten bieten schlicht zu wenig Lebensraum für Insekten und Vögel. Besonders Wildbienen – in der Artenvielfalt weit bedeutender als die Honigbiene, aber kaum im Bewusstsein – sind auf heimische Blütenpflanzen angewiesen. Ohne sie stockt die Bestäubung, ohne Bestäubung fehlt den Vögeln das Futter für ihre Brut. Der Kreislauf bricht an einem unscheinbaren Glied.
Doch auch der Mensch gehört in seinen eigenen Garten. Eine in die Jahre gekommene Thuja-Hecke kann bis zu eineinhalb Meter breit werden – auf einem kleinen Grundstück ein erheblicher Flächenverlust. Dazu nimmt sie Licht und entzieht dem Boden Wasser. Was bleibt? Ein Sichtschutz, der beim genaueren Hinschauen nicht einmal das hält, was er verspricht: Vom zweiten Stock lässt sich trotzdem hineinsehen.
Mehr als eine Hecke – ein Lebensraum
Mit vielen Fotos aus der Praxis zeigten die Referenten, wie vielfältig Hecken gestaltet werden können. Schon das Nebeneinandersetzen verschiedener Sträucher – ergänzt durch eine Unterpflanzung – ergibt eine strukturreiche Hecke, die weit mehr leistet als eine monochrome grüne Wand. Hasel, Kornelkirsche, Eibe oder die heimische Berberitze wechseln die Farbe mit den Jahreszeiten, tragen Blüten, Früchte und Beeren und sprechen damit Auge und Seele an – und nebenbei auch Igel, Vögel und Schmetterlinge.
Anstelle von Rindenmulch empfehlen die Referenten das eigene Laub: Es mulcht kostenfrei, baut Humus auf und bietet Unterschlupf für unzählige Kleinlebewesen.
Formhecken – kein Widerspruch zur Natur
Wo Gemeinden bestimmte Höhen vorschreiben, sind Formschnitthecken oft unvermeidlich. Hier gilt es aber zu beachten: Wird die Hecke zur falschen Zeit geschnitten, fallen Blüten weg – und damit auch die Beeren. Wer gezielt schneidet und auf die Blütezeit achtet, kann auch eine Formhecke naturverträglich halten. Eine Unterpflanzung ist auch hier möglich und sinnvoll.
Wenn ein kompletter Umbau nicht geht
Nicht jeder Garten lässt sich von heute auf morgen umgestalten. Auch kleine Schritte helfen: einzelne Abschnitte der alten Hecke durch heimische Gehölze ersetzen, Nistkästen einbauen, einen wilden Wein anleiten – und manchmal einfach die Natur machen lassen. Oft entsteht dort, wo wir aufhören zu kontrollieren, das Interessanteste.
Der Vortrag hat gezeigt: Der Weg zum naturnahen Garten muss kein radikaler Neuanfang sein. Manchmal genügt ein erster, gezielter Schnitt – und die Bereitschaft, Grenzen neu zu denken.
Text: Regina Tramm-Jula
Bilder: Helmut Patalong