Giftpflanzen im Hausgarten – muss das weg?

Bild zum Vortrag "Giftpflanzen im Hausgarten"Giftpflanzen im eigenen Garten? Da denkt man vielleicht zuerst an die Eibe oder die Thujahecke. Doch der Vortrag von Regina Tramm-Jula, Vorsitzende des Gartenbauvereins Unterhaching, zeigte eindrucksvoll: Giftpflanzen begegnen uns viel häufiger, als wir denken – und manche davon landen sogar auf unserem Teller!

Gleich zu Beginn stellte die Referentin eine spannende Frage: Welche ist die giftigste heimische Pflanze? Die Antwort lautet: der Blaue Eisenhut. Bereits wenige Gramm seiner Wurzel können tödlich sein. Doch wer erkennt die Pflanze, bevor sie blüht? Gerade hier liegt eine Gefahr, denn giftige und ungiftige Pflanzen können leicht verwechselt werden.

Warum sind Pflanzen giftig? Sie können vor Fressfeinden nicht weglaufen und haben deshalb im Laufe ihrer Entwicklung verschiedene Schutzmechanismen entwickelt, um ihren Fortbestand zu sichern:  1. Mechanische wie Dornen und Brennhaare. 2. Düfte und Ätherische Öle oder 3. Natürliche chemische Abwehrstoffe eben Giftstoffe.

Zu den Giftpflanzen zählt auch der Schwarze Holunder, den man auch als Heilpflanze kennt. Roh sind alle grünen Teile des Holunders giftig. Sie enthalten Sambunigrin, ein Giftstoff der heftigen Übelkeit und Durchfall verursachen kann beim Menschen. Die weißen Blüten enthalten den Giftstoff nur in geringem Maße, da Insekten zur Bestäubung angelockt werden sollen. Mit dem Wachsen der Samen nimmt der Giftstoff wieder zu, da die Samen jetzt wieder geschützt werden sollen. Mit dem Reifwerden der Beeren nimmt der Giftstoff wieder etwas ab. Vögel, die die Samen verteilen sollen, sind nicht für das Gift anfällig, aber der Mensch.  Das Gift ist nicht hitzebeständig, Die reifen Beeren sollten daher unbedingt 15 Minuten gekocht und alle grünen Beeren müssen vorher aussortiert werden. Auf Holundersaft, Hugo oder die beliebten Hollerkücherl muss niemand verzichten. Entscheidend sind das richtige Wissen und die passende Zubereitung. Ein sehr wichtiger Punkt, auf den die Referentin am Abend immer wieder hingewiesen hat, ist die Verwechslungsgefahr. Im Zusammenhang mit Giftpflanzen ist die Aussage: „Ich habe gedacht, es wäre …“ gefährlich.

Besonders überraschend wurde es beim Blick auf bekannte Küchenzutaten: Kartoffeln, Petersilie und grüne Bohnen wurden bereits zur „Giftpflanze des Jahres“ gekürt. Grüne Bohnen dürfen nicht roh gegessen werden, sondern sollen mindestens 15 Minuten gekocht werden. Auch bei Petersilie ist Vorsicht geboten, wenn die Pflanze im zweiten Jahr zu blühen beginnt, dann steigt des ätherischen Öles Apiol in allen Teilen der Pflanze und kann bei Verzehr auf Blase, Darm und Uterus wirken. Daher immer die Pflanzen abräumen und neu aussäen.

Ein weiteres Thema waren Kürbis, Gurke und Zucchini. Unter ungünstigen Bedingungen z.B. Hitzestress und Wassermangel oder auch bei eigener Nachzucht können sich wieder giftige Bitterstoffe bilden. Schmeckt das Gemüse auffällig bitter, heißt es deshalb: nicht weiteressen!  Das Curcubitacin ist hitzebeständig und nicht wasserlöslich. Waschen und Kochen helfen nicht.

Regina Tramm-Jula machte deutlich, dass der eigene Garten Aufmerksamkeit verdient. Maiglöckchen, Herbstzeitlose, auch Waldmeister, Efeu und Blauregen sind schöne Pflanzen, aber eben auch Giftpflanzen.Bild zu "Was machen wir denn da?Muss deshalb alles Giftige aus dem Garten verschwinden? Natürlich nicht! Viele dieser Pflanzen haben ihren festen Platz in unseren Gärten. Wichtig sind ein bewusster Umgang, Gartenhandschuhe bei Bedarf und ein wachsames Auge nicht nur auf Kinder.

Ein spannender und lehrreicher Abend, der sicher den einen oder anderen dazu gebracht hat, den eigenen Garten einmal mit ganz neuen Augen zu betrachten und sich zu fragen: was wächst denn da eigentlich?

Text: Regina Tramm-Jula


Bilder: Helmut Patalong

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